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Kindertagespflege soll bedarfsgerechte Hilfe bieten

Hier der Link zum Artikel in der Rhein-Neckar-Zeitung

Das Interview im Wortlaut:

nachgefragt und nachgehakt – Interview zum Thema „Kindertagespflege“

 

  1. Was ist Kindertagespflege überhaupt und was leistet sie?

 

Frau Polk, Frau Siebert-Weiß:

Die Kindertagespflege ist eine gesetzlich anerkannte Betreuungsform, in der Kinder bis zu ihrem 14. Geburtstag von einer Tagesmutter oder einem Tagesvater betreut werden. Bei einer Betreuung von bis zu fünf Kindern können Gruppenerfahrungen im kleinen und überschaubaren Rahmen gemacht werden.

Bei Kindern unter 3 Jahren können Eltern zwischen der Betreuung in einer Krippe oder in Kinder-tagespflege wählen. Bei Kindern, die älter als 3 Jahre alt sind, können Kinder ergänzend zur Schule oder zum Kindergarten in Kindertagespflege betreut werden. So z.B., wenn die Eltern berufsbedingt länger außer Haus sind, als der Kindergarten oder die Schule geöffnet haben.

Die Betreuungszeiten werden individuell zwischen Eltern und Tageseltern vereinbart. Auch ungewöhnliche und flexible Betreuungszeiten können so, gut abgedeckt werden. Die Kindertages-pflege eignet sich somit sehr gut, um Beruf und Familie miteinander vereinbaren zu können.

Das besondere an der Kindertagespflege sind also die flexiblen Betreuungszeiten, der kleine, familiäre Betreuungsrahmen und die konstante Bezugsperson. Daher ist die Kindertagespflege, aus entwicklungspsychologischer Sicht, eine ideale Betreuungsform.

 

  1. Warum braucht es die Kindertagespflege? Reichen uns die Kindergärten nicht aus? Ist die Kindertagespflege eine Konkurrenz zum klassischen Kindergarten?

 

Frau Polk:

Seit dem 1. August 2013 haben Kinder ab ihrem ersten Geburtstag einen Rechtsanspruch auf einen Platz in einer Einrichtung oder in Kindertagespflege unabhängig davon, ob die Eltern berufstätig sind oder nicht. Davor galt der Rechtsanspruch auf einen Platz in einer Einrichtung erst ab dem vollendeten dritten Lebensjahr. Seitdem steigt die Nachfrage an Betreuungsplätzen kontinuierlich an. Zudem gibt es immer mehr Familien, in denen beide Elternteile berufstätig und auf Betreuung angewiesen sind. Es ist daher wichtig, dass sowohl Plätze in Einrichtungen als auch in Kindertagespflege ausgebaut werden.

Ich sehe die Kindertagespflege nicht als Konkurrenz zur Einrichtung, sondern als Möglichkeit für Eltern zwischen diesen beiden Betreuungsformen wählen zu können. Sie können entscheiden, was am besten zu ihrem Kind und ihren Lebensumständen passt.

Im Rahmen der ergänzenden Betreuung zu Kindergarten und Schule bieten die Tagespflegepersonen flexible Betreuungszeiten, teilweise auch am Wochenende, an Feiertagen oder auch über Nacht an. Ohne dieses flexible Betreuungsangebot hätten viele Eltern, die Vollzeit oder im Schichtdienst berufstätig sind, nicht die Möglichkeit arbeiten zu gehen.

Frau Siebert-Weiß:

Die Kindertagespflege bietet an, was klassische Kindergärten durch ihre Öffnungszeiten, nicht bieten können. Die Kindertagespflege ist hier nicht als Konkurrenz zu den klassischen Kindergärten zu sehen, sondern als Ergänzung.

Sie ist eine besonders familiennahe und flexible Betreuungsform. So können auch besondere, außergewöhnliche Betreuungszeiten z.B. frühmorgens, spätabends, an Wochenenden, Feiertagen oder Übernachtungen abgedeckt werden und verlieren durch das gemeinsame, alltägliche Leben an Außergewöhnlichkeit.

 

  1. Welche Formen der Kindertagespflege gibt es und wie ist die Situation hier bei uns im Neckar-Odenwald-Kreis?

 

Frau Polk, Frau Siebert-Weiß:

Es gibt drei Formen der Kindertagespflege:

Bei der klassischen Kindertagespflege werden die Kinder im Haushalt der Tagesmutter/dem Tagesvater betreut. Dies ist im Neckar-Odenwald-Kreis die häufigste Form.

Des Weiteren kann die Kindertagespflege auch im Haushalt der Eltern stattfinden. Hier wird die Tagesmutter/der Tagesvater i.d.R. von den Eltern angestellt.

Die dritte Form ist die Kindertagespflege in anderen geeigneten Räumen. Hier können sich mehrere Tagespflegepersonen zusammenschließen und Räume anmieten, in denen sie die Betreuung durchführen. Wichtig ist jedoch, dass das jeweilige Kind immer von einer bestimmten Tagespflegeperson betreut wird. Auch die Gruppen sind kleiner als in einer Krippe, um den Charakter der Kindertagespflege zu bewahren.

Im Neckar-Odenwald-Kreis gibt es sogenannte TigeR-Gruppen in den Gemeinden Ravenstein, Buchen und Sulzbach. Hierbei handelt es sich um Tagespflege in anderen geeigneten Räumen, die von der Gemeinde u.a. auch finanziell unterstützt werden durch z.B. die Übernahme der Mietkosten, die Zahlung einer Platz- und Sachkostenpauschale, etc. Mittlerweile hat sich diese Betreuungsmöglichkeit bewährt und wird sehr gut nachgefragt.

 

  1. Wer kann denn Tagesmutter/-vater werden und wie?

 

Frau Polk:

Wer sich für die Tätigkeit als Tagespflegeperson interessiert, sollte Freude an der Arbeit mit Kindern haben, zeitlich flexibel sein und über ausreichend Platz zur Betreuung verfügen. Zudem ist die Bereitschaft, sich zu qualifizieren und ständig fortzubilden von Bedeutung.

Als Tagespflegeperson benötigt man eine Pflegeerlaubnis, die vom Landratsamt ausgestellt wird. Dafür werden verschiedene Unterlagen eingefordert, wie z.B. das polizeiliche Führungszeugnis und ein ärztliches Attest. Ebenso müssen die Bewerber Nachweise über den Besuch eines Erste-7

Hilfe-Kurses am Kind und der Lebensmittelhygienebelehrung und Brandschutzbelehrung vorlegen.

Im Rahmen von Hausbesuchen werden zudem die Räumlichkeiten besichtigt und auf Sicherheit überprüft. Außerdem sind die Absolvierung des Qualifizierungskurses für Tagespflegepersonen und regelmäßige Fortbildungen Voraussetzung. Erst nach einer positiven Überprüfung stellen wir eine Erlaubnis zur Kindertagespflege aus.

Frau Siebert-Weiß:

Zunächst einmal sollten interessierte Tagesmütter und Tagesväter Freude am Umgang mit Kindern mitbringen. Darüber hinaus sollten sie mindestens 18 Jahre alt sein, über gute Deutsch-kenntnisse in Sprache und Schrift und die Bereitschaft mitbringen einen Qualifizierungskurs für Kindertagespflege zu absolvieren.

 

  1. Was zeichnet denn eine gute Tagesmutter/einen guten Tagesvater aus? Wie wird gewähr-leistet, dass die Kinder dort eine gute Betreuung erfahren?

 

Frau Polk:

Eine gute Tagespflegeperson zeichnet sich dadurch aus, dass sie sich auf das Kind einlässt und es annimmt wie es ist. Durch gezielte Beschäftigung wird das Kind in seiner Entwicklung gefördert. Fühlt sich das Kind wohl, traut es sich seine Umgebung zu erkunden und schafft es so sich ständig weiter zu entwickeln. Die Kinder werden soweit dies möglich ist, in den Alltag der Tagespflegeperson miteingebunden. So gehen sie z.B. gemeinsam auf den Markt, kaufen Lebensmittel ein und bereiten diese zu. Die Kinder erfahren dadurch wie das Essen auf den Tisch kommt und erhalten frisch zubereitetes Essen. Das wichtigste Zeichen, ob sich das Kind dort wohl fühlt oder nicht ist, wenn sich das Kind freut, zu seiner Tagespflegeperson zu gehen.

Die Gewährleistung einer guten Betreuung in der Tagespflegestelle begründet sich in der Eig-nungsüberprüfung durch das Jugendamt, durch den Besuch der Qualifizierungskurse und der Fortbildungen, durch Beratung und Begleitung durch unseren Fachdienst oder durch den Tages-elternverein. Zudem werden regelmäßige Hausbesuche durchgeführt, Praxistreffen und Supervision-angeboten.

Hinzu kommt, dass Eltern täglich ihre Kinder hinbringen und abholen und sich somit selbst einen Eindruck davon verschaffen können, wie es ihrem Kind geht und wie die Tagespflegeperson mit dem Kind umgeht.

 

 

Frau Siebert-Weiß:

Eine gute Tagesmutter/guter Tagesvater bringt Einfühlungsvermögen, Sensibilität und Bindungs-bereitschaft mit. Wie wir heute wissen, ist Bindung Voraussetzung für Bildung. Bevor eine interessierte Tagesmutter/Tagesvater am Qualifizierungsseminar teilnehmen kann, findet zunächst ein persönliches Bewerbungsgespräch statt. Hier wird im gemeinsamen Gespräch analysiert, welche Anforderungen an die Tagespflegepersonen gestellt werden und diese Tätigkeit zu den Vorstellungen der interessierten Tagesmutter/Tagesvater passt.

Nach der Qualifizierung, um die Tätigkeit als Tagesmutter/Tagesvater aufnehmen zu können, ist die Erteilung einer Pflegeerlaubnis vom Landratsamt – Fachdienst Kindertagespflege, erforderlich. Darüber hinaus stehen wir im ständigen Austausch mit unseren Kindertagespflegepersonen: durch Praxistreffen, Supervision und besuchen sie einmal im Jahr zu Hause.

Ziel dieser Maßnahmen ist es, die Qualität in der Kindertagespflege sicher zu stellen damit die Kinder somit eine gute Betreuung in der Kindertagespflege erfahren.

 

  1. Wo sehen Sie die Kindertagespflege in den nächsten 10 Jahren? Wie wird sich dieses Feld Ihrer Ansicht nach entwickeln oder verändern?

 

Frau Polk:

Aufgrund der wachsenden Kinderzahlen wird auch die Nachfrage nach Betreuungsplätzen in Kindertagespflege steigen. Somit ist es von Bedeutung, dass die Plätze weiterhin ausgebaut werden. Wir sind deshalb ständig auf der Suche nach neuen Tagespflegepersonen und beraten Interessierte an dieser Tätigkeit sehr gerne.

Es ist im Gespräch, dass der Qualifizierungskurs für Tagespflegepersonen in den nächsten Jahren umfangreicher werden soll. Damit wird die Qualität noch weiter gesteigert.

In 10 Jahren wird die Kindertagespflege noch bekannter sein und hoffentlich in jeder Gemeinde als selbstverständliche Betreuungsform akzeptiert sein.

Frau Siebert-Weiß:

Die Kindertagespflege hat sich in 10 Jahren zu einem eigenen Berufsbild entwickelt. Zudem haben sich die Rahmenbedingungen deutlich verbessert. Es gibt dann auch festangestellte Kinder-tagespflegepersonen im Neckar-Odenwald-Kreis. Die Kindertagespflege wird als eigenständiges Betreuungsangebot wahrgenommen und wertgeschätzt.